Stricken für Frühchen

Als Frühchen werden Babys bezeichnet, die vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen. (Normalerweise dauert eine Schwangerschaft etwa 40 Wochen). Frühchen sind nicht nur kleiner und allgemein unreifer als später geborene Babys, sie haben auch eine besonders empfindliche Hautoberfläche. Wenn du für Frühchen stricken möchtest, gibt es deshalb Einiges, was du berücksichtigen musst.

Das richtige Garn

Beim Stricken für die Kleinsten müssen besondere Hygienevorschriften beachtet werden: Garne müssen fusselfrei sei, denn fliegende Fasern könnten die Atmung beeinträchtigen und das ist u.U. lebensbedrohlich für die noch unreife Lunge eines Frühchens. Das Garn muss außerdem heiß waschbar sein, frei von Chemikalien und Schadstoffen und auch eine Desinfektion überstehen. Gut geeignet sind deshalb Baumwollgarne, wie die der Schachenmayr Catania Familie, Garne der Baby Smiles Kollektion aber auch die klassische REGIA 4-fädig. Alle genannten Garne haben eine OekoTex-Zertifizierung (Standard 100), d.h. sie sind schadstoffgeprüft und gesundheitlich unbedenklich.

Das richtige Muster

Die Haut von Frühgeborenen ist (je nach Reifegrad) extrem dünn. Manchmal hinterläßt sogar "Haut auf Haut" einen Abdruck. Deshalb ist es ganz wichtig, daß das, was du für ein Frühchen strickst, keine Muster hat, also beispielsweise keine Struktur- oder Reliefmuster. Unter Umständen ist sogar kraus rechts Gestricktes schon zu viel des Guten. Das muss auch bei Anschlag und Bündchen berücksichtigt werden. Eine generelle Empfehlung ist es, den Anschlag mit Nadeln zu stricken, die eine Stärke dicker sind als die, die du normalerweise nimmst – auch wenn dir ein festeres Maschenbild besser gefallen würde.

Die richtige Ausarbeitung

Grundsätzlich gilt: je schlichter, desto besser. Deshalb verzichte bitte auf Knöpfe, Schleifen, Nieten oder ähnliches, denn all das würde Druckstellen hinterlassen. Aber auch Einstrickmuster, bei denen auf der Innenseite des Kleidungsstückes Fäden mitgeführt werden, sind nicht empfehlenswert. Sie sind schwierig anzuziehen, außerdem können sich kleine Finger darin verfangen.

Das richtige Modell

Babys, insbesondere Frühchen, verlieren die meiste Wärme über Kopf und Füße. Socken und Mützen sind deshalb essentiell und in Kliniken sehr gefragt. Achte beim Stricken einer Mütze darauf, dass der Anschlag weich wird und strick am besten durchgängig 2 Maschen rechts, 2 Maschen links. Das hat den Vorteil, dass die Mützen "mitwachsen". Bei den Kleinsten wird dann der untere Rand umgeschlagen (dadurch liegt die Anschlagskante auch nicht direkt auf der Haut), mit zunehmendem Alter des Frühchens wird der Umschlag dann kleiner. Wenn du mit REGIA 4-fädig strickst, schlag für eine Mütze ca. 88 Maschen an und beginn erst nach mindestens 15 cm mit den Abnahmen.

Bei den Socken müssen Anschlag und Schaft (am besten gestrickt in 2re/2li) ebenfalls sehr weich sein. Die Fußlänge sollte mindestens 9 cm betragen, auch wenn die Babyfüße viel kleiner sind. Sonden, Kabel und Fixierbinden brauchen ebenso Platz, wie die Finger der Pflegenden (die den korrekten Sitz all dessen kontrollieren). Bitte berücksichtige dies. Eine Lochreihe am Übergang vom Schaft zum Fuß, durch die ein Bändchen gezogen wird, ist hilfreich – denn weite Socken haben weniger Halt. Bitte achte bei dem Bindebändchen darauf, dass es lang genug ist, um gebunden werden zu können. Socken aus REGIA 4-fädig beginnst Du am besten mit 32 oder 36 Maschen am Schaft und mindestens 2,5er Nadeln. Alle weiteren Angaben kannst du unserem Sockenlehrgang R0333 entnehmen. In der Wahl der Ferse bist du frei.


Wir bedanken uns bei Petra Haas, die über 15 Jahre den gemeinnützigen Verein „Stricken für Frühchen e.V.“ geleitet hat und sehr viele Kliniken im Laufe der Jahre mit Tausenden von Strickteilen für Frühchen versorgt hat. Herzlichen Dank für die wertvollen Tipps, die sie mit uns allen teilt und für ihr ehrensamtliches Engagement, das auch ihre Familie in dieser Zeit immer unterstützt hat. Viele fleißige Helfer haben Frau Haas bei der Frühcheninitiative unterstützt.