Tanja Steinbach

0
Teilen

 

  1. Was bedeutet es für Sie, wenn Sie nach Ihrem Kreativjob privat die Nadeln in die Hand nehmen? Können Sie überhaupt abschalten von Ihrer Tätigkeit für die Marken Schachenmayr und REGIA der Firma MEZ oder haben Sie die ganze Zeit „die Arbeit“ im Kopf? Oder stricken Sie dann etwas ganz anderes?
  2.  
  3. Ein „Kreativjob“ ist ja auch irgendwie ein Privileg… natürlich ist es da manchmal schwer, sich an geregelte Arbeitszeiten zu halten, Kreativität geht auch nicht auf Knopfdruck. Es ist übrigens auch nicht so, dass ich für meine Tätigkeit hauptsächlich stricke… aber dazu später mehr. Abschalten ist sehr wichtig, manchmal muss ich mich dazu aber auch mal zwingen… also „die Arbeit“ raus aus dem Kopf und irgendwas ganz anderes machen! Ich stricke auch mal privat etwas für mich – das dauert dann aber gefühlt immer „Jahre“ und dient dann einfach der Entspannung… und um den Kopf auch richtig frei zu bekommen, stricke ich dann sehr gerne mal stur nach einer Anleitung von einem Designkollegen oder -kollegin wie z.B. Stephen West oder Asa Tricosa.

 

  1. Sie entwickeln nun seit etwa 20 Jahren Strickdesigns für Schachenmayr. Was genau ist Ihre Aufgabe?
  2.  
  3. Das hat sich über die Jahre immer wieder mal geändert. Angefangen habe ich in der Produktentwicklung und habe mich da hauptsächlich um neue Garne & Farben  gekümmert - und sehr wenig um Strickdesigns. Das hat sich dann mit der Zeit immer weiter verschoben, weg von der Garnentwicklung  hin zu den Strickkollektionen. Bei der Garnentwicklung bin ich nun fast nur noch „beratend“ tätig, teste neue Garne beim Stricken und mache ab und zu Farbvorschläge. Hauptsächlich beschäftige ich mich (zusammen mit einer Kollegin) damit, wie die Garne durch passende Strickdesigns unterstützt werden können, was eben zum jeweiligen Garn am besten passt und gerade auch „in der Luft“ liegt und mache die Konzepte für die Kollektionen, die dann auch in Zusammenarbeit mit freien Designern und vielen hilfreichen Strickerinnen umgesetzt werden.     

 

Bleibt dabei nicht irgendwann die Kreativität auf der Strecke? Woher beziehen Sie immer wieder neue Inspirationen?

 

Das Schöne an meiner Arbeit ist, dass kaum ein Tag dem anderen gleicht, oft steht jeden Tag etwas anderes an. Das ist zwar auch anstrengend, aber man bleibt beweglich und offen für Ideen. Natürlich nutzen wir auch sogenannte Trendportale zum Abgleich der Farb- und Modetrends und da stößt man doch auch immer wieder auf neue Ideen. Aber auch ein Wochenende mal in einer anderen Stadt oder der Besuch einer guten Ausstellung bringt neue Gedanken!

 

Wurde Ihre Lust aufs Nähen und Stricken schon in der Kindheit gelegt? Und welche Rolle spielt Häkeln? Oder andere kreative Tätigkeiten? 

 

Ich denke schon, auch wenn man das rückblickend sicher nicht mehr so ganz genau zuordnen kann, was den Grundstein gelegt hat. Bei uns zu Hause (ich komme aus einem klassischen, schwäbischen Handwerksbetrieb) wurden in vielen Bereichen die Dinge „selbst gemacht“, meine Mutter hat auch viel für uns Kinder genäht und irgendwann probiert man es dann halt selber – zumindest bei mir war es so. Ich fand es immer toll, mal einen Nachmittag an der Nähmaschine zu sitzen und dann ein „cooles Teil“ zu haben – auf meine damaligen technischen Möglichkeiten und Ausführungen wollen wir mal nicht näher eingehen, aber „kreativ“ war es …

 

Nach Ihrer Schneiderlehre haben Sie in Reutlingen Textildesign studiert. Sie haben sich ziemlich schnell aufs Stricken festgelegt, war das von Anfang an Ihr Plan?

 

Ganz klar: Nein. Reutlingen hat ja einen Schwerpunkt im Bereich Stricktechnik, die Firma „Stoll“ ist dort ansässig und der Campus ist daher auch entsprechend gut mit Strickmaschinen und Technik rund um die Garnverarbeitung ausgerüstet und der Studiengang entsprechend ausgerichtet. Zu Beginn hätte ich mir aber durchaus auch vorstellen können etwas mehr im Bereich „Konfektion“ zu machen – aber es kommt 1. immer anders und 2. als man denkt. Rückblickend war es für mich so eine gute Entwicklung.

 

Sie schreiben neben Ihrem Designer-Job Handarbeitsbücher und sind auch noch im TV bei ARD Buffet und im SWR bei Kaffee oder Tee präsent. Wie kam es dazu? Und was bedeutet Ihnen die Arbeit vor der Kamera?

 

Da war ich einfach zur Richtigen Zeit am richtigen Ort. der Frechverlag hatte Anfang der 2000er Jahre beschlossen neben den Bastelbüchern auch etwas Neues zum Thema „Handarbeiten“ zu machen und war auf der Suche nach Partnern und Autoren – und so habe ich mein erstes kleines Buch zum Thema „Socken stricken“ gemacht. Auch beim TV lief das ganz ähnlich – zu Beginn war ich da noch beratend dabei und habe Themen für die Redaktion vorbereitet und irgendwann stand ich dann selbst vor der Kamera.

 

Was es für mich bedeutet? Nun es ist immer wieder aufregend und eine tolle Abwechslung zu meinem „normalen“ Alltag. Ich sehe es auch als Privileg mit den Kollegen vom SWR zusammen zu arbeiten, das bringt immer wieder ganz neue Aspekte. Allerdings ist es auch immer erschreckend zu sehen, wie kurz 4-5 Minuten Sendezeit doch sind und welche Gradwanderung es ist, diese möglichst informativ für alle zu gestalten. Wenn ich die Beiträge später anschaue, denke ich oft „hier hättest Du das noch erklären können“ oder „da hast Du es falsch (oder zu schnell) in die Kamera gehalten“ – aber das ist eben live…

 

Wie ist die Resonanz auf Ihre Anleitungen bzw. Tipps?

 

Ich würde mal sagen „sehr gut“, das Anleitungsangebot wird beim „ARD Buffet“ und „Kaffee oder Tee“ sehr gut nachgefragt. Seit Juni 2015 habe ich auch meinen Blog www.tanjasteinbach.de – hier bekomme ich, wie auch über die anderen „Social Media Plattformen“ wie Facebook oder Instagram einen sehr direkten Kontakt zu anderen Strick-und Handarbeitsbegeisterten und genieße den Austausch sehr. Auch das ist „Inspiration“.

 

Den Blog habe ich nach langem Drängen einer Kollegin ins Leben gerufen und bin ihr jetzt sehr dankbar dafür. Auftakt war der neue „Knit-along“ für das ARD Buffet im Sommer 2015 („Der Sommernachtstraum“). Ich hatte im Advent 2014 schon mal so eine Aktion für das ARD Buffet gemacht und danach war klar, bei einem Projekt dieser Art werden immer viele An- und Nachfragen dazu kommen. Und dass eine neue Aktion auch entsprechend unterstützt werden muss. Facebook finde ich da als Plattform nicht ideal, daher wollte ich eine „unabhängige“ Seite, um die Fragen und Infos zu bündeln – das war natürlich ein super Start für den Blog und ich freue mich immer noch daran, wie oft das Modell inzwischen nachgestrickt wurde und immer noch wird!

 

Ein Tag hat bekanntlich nicht mehr als 24 Stunden. Wie bekommen Sie Arbeit, Familie und Zeit für sich unter einen Hut? Wie halten Sie sich persönlich im Gleichgewicht?

 

Das ist nicht immer einfach… aber das Problem kennen sicher viele andere arbeitende Eltern auch. „Haushalt“ war jetzt auch noch nie meine große Stärke, er hat sicher am meisten darunter zu leiden, bei mir zu Hause ist es nicht perfekt. Mein Mann und meine Kinder machen es mir leicht, die Kinder sind ja auch schon aus dem „Gröbsten raus“ wie man so schön sagt. Mir macht meine Arbeit sehr viel Spaß, daher wird es eben passend gemacht – und manchmal muss man aber auch Arbeit Arbeit sein lassen und „egoistisch“ sein, und etwas für sich oder zusammen mit der Familie oder Freunden machen.

 

Was glauben Sie persönlich? Weshalb sind Handarbeiten bzw. Themen rund um DIY wieder so gefragt?

 

Ich glaube, das war nie richtig weg, nur ist es im Moment wieder sehr populär in der Öffentlichkeit. Auch in den Zeiten, als Stricken als „Oma-Tätigkeit“ verpönt war, wurde gestrickt, gehäkelt und gewerkelt – ich sehe das im Moment eher als eine Art der „Emanzipation“ des Strickens was da passiert, man strickt (häkelt/näht/... ) gerne und zeigt das auch! Ich hoffe, dass sich dieser Trend auch in der Ausbildung niederschlagen wird und es endlich wieder guten Unterricht in den Schulen dazu geben wird. Was „mit den eigenen Händen“ zu machen finde ich eine sehr wichtige Erfahrung und wenn man es praktisch einsetzen kann, ist das doch wunderbar!

 

Würden Sie uns verraten, was Ihre persönlichen Stärken und Schwächen sind?

 

„Ganz oder gar nicht“ - das sagt schon ziemlich viel… ich bin da ziemlich radikal. Und finde daher auch oft nicht immer gleich den richtigen Punkt aufzuhören, denn wenn ich etwas mache, dann richtig und kann mich dann auch schwer davon distanzieren…

 

Dieses Interview wurde erstmals in Stricken for you veröffentlicht; Wir haben einige kleine Aktualisierungen an der Originalversion vorgenommen.

Ein weiteres Interview mit Tanja Steinbach finden Sie hier bei "Handarbeit. Das Fachmagazin"

 

Strick- und Häkelanleitungen von Tanja Steinbach

 

Sie möchten sich von den wunderbaren Designs von Tanja Steinbach inspirieren lassen? Hier finden Sie eine Auswahl ihrer beliebtesten Designs zum nachstricken bzw. -häkeln. Klicken Sie auf das jeweilige Bild, um direkt zur Anleitung zu gelangen.

 

Alle Tanja Steinbach Designs im Überblick finden Sie hier.

 

x

Sie haben vergessen sich anzumelden? Anmelden / registrieren, dass dieser Download in Ihrem Profil gespeichert wird.

Account erstellen