Karline.Konfetti

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Interview mit Karline.Konfetti

Karline.Konfetti heißt außerhalb von Instagram eigentlich Sandra, sie ist 29 und lebt zusammen mit ihrem Mann, ihrem Kind und zwei Hunden in Kitzscher – oder wie sie sagt: „Im wunderschönen Leipziger Süden“ ; Sandra häkelt seit sie fünf Jahre alt ist – beigebracht hat es ihr ganz klassisch ihre Oma mit Topflappen. Wenn sie nicht gerade zuckersüße und kunterbunte Häkelkreationen entwirft, arbeitet sie als Betreuerin für Demenzpatienten. Wir hatten die Möglichkeit mit Sandra zu sprechen und konnten ihr einige Fragen stellen:

Karline Konfetti ist nicht Dein richtiger Name –wie kam es zu der Namenswahl?

Er war noch übrig *lacht*. Ich bin ein bisschen wie Konfetti: bunt, verrückt, und manchmal ein bisschen lästig. Man wird mich schwer los. Wie mit Konfetti. Wenn sich das festsetzt, dann … Außerdem ist der Spitzname meines Vaters Karl und das passte irgendwie zu Konfetti. Namensfindung ist schwierig, ich bin da ganz ehrlich – und dieser Name hat gepasst.

Was hat  Dich dazu bewegt Deine bunten Kreationen auf Instagram und schlussendlich auf einem eigenen Blog zu teilen?

Schwere Frage. Zunächst habe ich mich eine ganze Zeit lang von sozialen Medien losgelöst, gerade bei FB finde ich den Umgangston sehr schwierig. Ich hatte das Gefühl, der Außenwelt ständig etwas von mir bieten zu müssen, das mag ich nicht. Wen interessiert es, was meine liebste Dönerbude ist oder wo ich gerade bin?
Irgendwann habe ich Instagram entdeckt und habe überhaupt nicht kapiert wie es funktioniert *lacht*  - mit der Zeit klappte es doch und ich fand es spannend, neue Eindrücke gewinnen und ich hatte Bock auf all die schönen Bilder. Das hat meinen Horizont, was soziale Medien betrifft, sehr erweitert, denn nun ging es nicht mehr um mich als Person. Irgendwann habe ich angefangen meine Werke als Bild hochzuladen und habe eine Menge positiver Resonanz bekommen – bis dahin dachte ich, dass Häkeln nur was für Omas ist. Wen sollte es schließlich interessieren, was ich da so auf meiner Nadel habe?! Irgendwann wurden die Leute immer aufmerksamer auf mich, die Abonnentenzahl stieg und ich habe viele Insta-Mädels kennengelernt, die die Leidenschaft fürs Häkeln mit mir teilen. Aufgrund von beharrlichen Menschen habe ich angefangen Anleitungen aufzuschreiben – was seltsam ist, denn ich kann selbst keine Anleitungen lesen *lacht*. Nach Anleitungen kann ich also nicht arbeiten. Ich mach meine eigenen Sachen einfach am liebsten. Was den Blog betrifft: zunächst hatte ich einen Shop, den ich aber aus privaten Gründen schließen musste. Wieso also nicht die Anleitungen auf dem Blog verschenken bzw. der breiten Masse zur Verfügung stellen? Das setzt mich auch nicht mehr unter Druck. Bei einem Shop hat man eine wirtschaftliche Komponente, die habe ich beim Blog nicht – ich muss nicht schreiben, wenn ich nicht will - und wenn ich es doch tue, freuen sich die anderen und ich bin entspannter.

Gibt es ein anderes (kreatives) Hobby, das Du neben der ganzen Häkelei betreibst?

Ich mach noch so ein Oma Ding (oder was andere als solches bezeichnen): ich singe seit vielen Jahren in einem Frauenchor.Ich mach gern alles was kreativ ist, ich zeichne so ein bisschen und bin ein geselliger Mensch und habe einfach Spaß an meinem Leben. Außerdem habe ich einen Kleingarten und einen Dackel, ich erfülle alle Klischees hierzulande. Nur pünktlich bin ich nicht *lacht*.

Alle Fotos: Sandra aka Karline Konfetti. Das Interview hat Martyna aka Marblerie für uns geführt. 

Woran bist Du in der Handarbeitswelt bisher gescheitert bzw. was möchtest du unbedingt noch lernen?

Vor einer Weile hat mir eine Followerin ein Nadelspiel und ein Strickbuch für Kinder geschenkt – sagen wir so: ich habe das Nadelspiel klein gekriegt. Mir haben schon viele Mädels auf meinen Wunsch hin das Stricken zeigen wollen, aber es hat nie geklappt. Ich glaube, dafür bin ich einfach zu doof. Ich bin da stocksteif und breche mir gefühlt die Finger. Irgendwann lege ich das Strickzeug beiseite und nehme doch wieder die Häkelnadel zur Hand. Das ist wohl mein eigener Starrsinn, der mir da im Weg steht.

Was sind Deine Häkelziele? Möchtest Du noch etwas Bestimmtes entwerfen?

Ziele habe ich überhaupt nicht, ich bin ein Mensch der sich schnell inspirieren lässt. Es gibt also nichts, was ich noch entwerfen muss – ich lasse das alles auf mich zukommen. Ich habe keine Ambitionen dieses oder jenes zu entwerfen – das setzt mich zu schnell unter Druck und mit Druck kann ich nicht arbeiten. Da kann ich mich nicht kreativ entfalten und darum soll es ja gehen. Es soll ja mir Spaß machen.

Was liebst und was hasst Du am meisten an Deinem Hobby?

Das ist ja mal ne Frage. Was liebe und was hasse ich am meisten? Ich hasse es, nach Anleitungen zu arbeiten, da kriege ich die Krise. Ich hasse den Platzmangel in meiner Wohnung, weil ich nicht weiß wohin mit meinem Garn *lacht* - das ist echt das größte Problem. Ich hasse es, 5 oder 6 mal das Gleiche machen zu müssen. Ich hab gar keine Lust 20 Teddys zu machen, ich mache jede Figur nur einmal und das reicht auch. Ich mach mein Hobby ja, weil ich eigentlich alles gerne daran mache. Es soll nicht arrogant klingen, aber ich kann es scheinbar einfach gut und das macht Spaß. Ich muss die Ideen in meinem Kopf umsetzen, das macht meinen Kopf frei und hat definitiv etwas Meditatives. Vielleicht kann ich auch deswegen immer nur von allem eins machen – aber das ist ja schon wieder Psychologie *lacht*.

Wenn Du erzählst, dass Du häkelst – was für Aussagen, Sprüche, Klischees begegnen Dir da?

Ganz oft kommt: „Ja das kann ich auch selber“ oder noch schlimmer: „das kann ich selber billiger“ – als ich meine Sachen noch verkauft habe, kam diese Aussage sehr häufig. An Klischees begegnet mir dieses Oma-Problem *lacht* - mittlerweile wird es aber besser, weil ein Wandel in den Köpfen stattfindet und die Leute selbst mit DIY anfangen. Viele kennen auch den Unterschied zwischen häkeln und stricken nicht, ganz oft höre ich dann „Die Sandra kann total gut stricken“ – nein, leider gar nicht *lacht*. In der Regel kommen viele positive und anerkennende Rückmeldungen wenn Menschen meine Werke gesehen haben haben bzw. sie wollen sie auch sehen und dann sagen sie „Mensch, das sieht aber besser aus als von meiner Oma“ – das meine ich auch gar nicht böse. Die Leute denken Häkeln ist Häkeln, aber Häkeln ist nicht nur Amigurumi, man kann so viel mehr machen. Trotz der Vielfalt gehen mir persönlich Puppen und Figuren sehr viel mehr ans Herz , als beispielsweise eine Filethäkeldecke (obwohl auch diese ihren Charme hat). Puppen haben Augen und damit fast schon eine Seele. 

Liebstes Schachenmayr-Garn: Catania (darin könnte ich mein ganzes Haus einwickeln, so viel habe ich davon – wenn man das zusammen knotet könnte man einen Strick von München nach Hamburg spannen; gefühlt)

 

 

Alle Fotos: Sandra aka Karline Konfetti. Das Interview hat Martyna aka Marblerie für uns geführt. 

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